Smart Home Systeme – Was bringen Apple Homekit, Google Home und Amazon Alexa?

Unter dem Begriff Smart Home versteht man die Nutzung von vernetzten, fernsteuerbaren sowie automatisierbaren Geräten im Haushalt. Das können Komponenten einer Alarmanlage, fernsteuerbare Fenster-Rollläden, Lampen, Thermostate für die Heizung, fernsteuerbare Haushaltsgeräte wie Waschmaschine oder Kühlschrank und vieles mehr sein. Die gemeinsame(!) Steuerung der einzelnen Smart Home Komponenten geschieht dabei mit einem Smart Home System. Smart Home Systeme gibt es prinzipiell bereits seit vielen Jahren, das Vordringen der drei Tech-Giganten Apple, Google und Amazon in diesen Bereich stellt jedoch aufgrund deren Marktmacht, Finanzkraft und technischen Skills die bisherigen Spielregeln auf den Kopf . Im Anschluss eine Übersicht was genau die große Drei anzubieten haben und eine Analyse, welche Auswirkung das auf den Alarmanlagenmarkt haben könnte.

Vorausgeschickt: Ein wirkliches Smart Home System bietet von den drei Großen zum heutigen Stand genau genommen nur Apple an. Google Home und Amazon Alexa fungieren hingegen noch nur als eine Art Fernbedienung mit der man per Befehl bestimmte Aktionen auf vernetzten Geräten veranlassen kann. Im Anschluss eine detaillierte Übersicht über die drei Anbieter und ihren derzeitigen Leistungsumfang:

Apple

Ist unter den drei Tech-Giganten der Pionier im Bereich Smart Home, aber Spätzünder am Gebiet der Smart Speaker. Die Basis bildete der im Jahr 2014 eingeführte Heimautomatisierungs-Standard Homekit. Mit diesem verfügte Apple ab diesem Zeitpunkt über sein eigenes Smart Home System, das mittlerweile auf allen Apple Geräten mit dem iOS-Betriebssystem läuft. Mit Hilfe der vorinstallierten „Home“ App können Homekit-kompatible Smart Home Geräte gesteuert werden. Die Steuerung kann entweder durch manuelle Eingabe am Smartphone, Tablet bzw. auf der Apple TV Streaming Box bzw. der Apple Watch oder alternativ durch Sprachsteuerung dieser Geräte via Apple „Siri“ erfolgen. „Siri“ ist der 2011 mit dem Iphone 4s gelauchte Apple Sprachassistent, der es ermöglicht mit gesprochener Sprache Funktionen auf den Apple Geräten auszuführen.

Apple Homepod

Eine zusätzliche, sehr komfortable, Möglichkeit zur Steuerung des Smart Home Systems fügte Apple mit dem 2018 gelaunchten Homepod Lautsprecher hinzu. Den Markt der Smart-Lautsprecher hatte Apple bis dahin noch Google und Amazon alleine überlassen.  Zum Betrieb des Lautsprechers benötigt es zwingend ein Apple Gerät (Iphone, Ipad, TV Streaming Box) und WLAN. Am Homepod stehen einem ein großer Teil der Siri Funktionen inklusive der Homekit zur Verfügung. Somit lassen sich Smart Home Komponenten direkt über den Homepod durch Sprachbefehle wie „Hey Siri, schalte das Licht ein!“ bedienen. Diese jederzeit verfügbare Sprachsteuerung macht den Betrieb des Smart Home Systems noch einmal komfortabler. Zusätzlich sind auch die von den anderen Smart-Lautsprecher Herstellern bekannten Funktionen wie die Auswahl von Musiktiteln, Wissensfragen, Wetterbericht etc. möglich. Hier ist nur negativ anzumerken, dass Apple wie gewohnt im eigenen Universum bleibt und somit Apple-fremde Musikangebote außen vor bleiben. Die auf einer Suchmaschinentechnologie basierende Frage-Antwort Funktion ist jener von Google technisch unterlegen.

Homekit-System

Der große Vorteil von Apple im Vergleich zu Google und Amazon ist aber ohne Frage das eigene Homekit-System, das ein vollwertiges Smart Home System darstellt. Damit lassen sich nicht nur einfache Befehle an Smart Home Geräten durchführen, sondern alle Smart Home Geräte können gemeinsam gesteuert und aufeinander abgestimmt werden. Auch ausgeklügelten wenn-dann-Steuerungen sind möglich, also dass das eine Smart Home Gerät auf das andere reagiert und eine dementsprechende Aktion setzt. Zum Beispiel fahre die Jalousien herunter und schalte die Klimaanlage ein wenn die Innentemperatur 23 Grad übersteigt.
Die einzelnen Geräte kann man Räumen zuweisen. Und diesen wiederum zu Zonen bündeln und diese somit nicht nur einzeln sondern auch gesammelt ansprechen. Also zB. „die Beleuchtung im Erdgeschoss ausschalten“ oder „die Temperatur im ganzen Haus um 1 Grad erhöhen“. Zudem lassen sich Routinen anlegen, die eine Reihe von Anweisungen beinhalten. Zum Beispiel könnte die „Verlasse das Haus Routine“ die Temperatur im ganzen Haus auf 19 Grad senken, alle noch brennenden Lampen ausschalten, die Alarmanlage aktivieren, die Außensteckdose deaktivieren,  … Das ist naturgemäß wesentlich komfortabler als beim Verlassen des Hauses die immer wieder gleichen Anweisungen einzeln dem System mitzuteilen.

Um diesen Funktionsumfang in vollem Rahmen nützen zu können bedarf es Homekit-kompatibler Smart Home Geräte. Apple nennt derzeit 50 verschiedene Hersteller, die eine Apple-Zertifizierung erhalten haben und damit ihre Produkte Homekit-fähig machen dürfen. Darunter im Beleuchtungsbereich Phillips und Osram, bei den Lautsprechern die Firma Denon, bei Klimageräten De Longhi und im Bereich Sicherheitssysteme die Firma Honeywell. Auch in den Bereichen Schalter, Steckdosen, Thermostate, Fenster und Jalousien, Ventilatoren, Sensoren, Schlösser, Kameras, Garagenöffner und Rasensprenger gibt es Kooperationspartner.

 

Google

Startete sein Google Home Smartphone-Lautsprecher samt Sprach-Assistent ebenfalls recht spät, nämlich Ende 2016 in den USA. Seit August 2017 ist er auch im deutschen Sprachraum verfügbar. Der Sprach-Assistent hat bei Google den Namen „Google Assistant“.

Den Google Home Lautsprecher gibt es in 4 unterschiedlichen Ausführungen:

  • Der Google Home ist der ursprüngliche Google Lautsprecher mit einer Höhe von ca. 15 Zentimetern.
  • Mit dem Google Home Mini wird zusätzlich eine deutlich geschrumpfte Version angeboten, der Mini ist nur knapp über 4 cm hoch. Beide, sowohl der Google Home, als auch der Home Mini sind aufgrund der geringen Größe vor allem bei der Wiedergaben von Bässen stark eingeschränkt und können diesbezüglich nicht mit einem richtigen Musikanlage mithalten.
  • Diese Lücke schließt der Google Home Max, der wie ein gewohnter Lautsprecher aussieht und mit zwei zusätzlichen Subwoofern ausgestattet ist. Lt. Hersteller liefert er die 20fache Leistung des Google Home und kommt damit auch als ernst zu nehmender Ersatz für eine Stereoanlage in Frage.
  • Der Google Home Hub hat ein zusätzliches Display eingebaut. Damit können Videos angezeigt werden und über das Display Auswahlen getroffen werden bzw. Dinge gesteuert werden. Über das Display ist auch eine Steuerung von Smart Home Geräten möglich.

Sehr stark ist Google Home, wenn es um das Beantworten von Fragen geht, Google scheint hier ein fast natürliches Verständnis für die Fragen zu haben. Wie wird das Wetter morgen? Wie alt ist US-Präsident Donald Trump? Wer war der 21te US-Präsident? Solche Fragen kann man Google auf unterschiedlichste Art und Weise stellen und bekommt aufgrund der dahinterliegenden ausgeklügelten Suchmaschinentechnologie sehr oft nützliche und passende Antworten. Und Google versteht auch den Kontext. Fragt man also zuerst „Wie viele Einwohner hat Wien?“ und anschließend „Wie groß ist die Stadt?“, dann weiß Google bei der zweiten Frage, dass noch immer Wien gemeint ist und beantwortet diese korrekt. Hier ist das Google System den Mitbewerbern deutlich überlegen.

Natürlich werden auch bei Google zahlreiche weitere Funktionen wie das Hinzufügen von Kalendereinträgen zum persönlichen Kalender, das Pflegen von Einkaufslisten, das Anlegen von Erinnerungen, Musik abrufen usw. usf. angeboten. Mit Voice Match kann Google Home zudem bis zu 6 unterschiedliche Familienmitglieder aufgrund der Stimme voneinander unterscheiden. Das hat den Vorteil, dass diese individuell Termine pflegen können, Suchergebnisse auf den einzelnen User angepasst werden und diese jeder für sich getrennt ihre Musikbibliothek verwalten können bzw. Google Musik passend zu den Vorlieben jedes Users vorschlägt.

Das Einbinden und Verwalten weiterer Smart Home Geräte erfolgt über die Google Home App. Diese bietet nicht die ausgeklügelten Möglichkeiten von Apple Homekit.

Aktuell existieren bereits eine Vielzahl von Produkten, die Google Home fähig sind. Darunter im Leuchtenbereich wieder Philipps und Osram, iRobot Saugroboter, Panasonic Lautsprecher, die aus dem Google Konzern kommenden NEST Thermostate, Gigaset Alarmanlagen, unterschiedlichste Türklingel, Steckdosen, Gartensprenger und einiges mehr.

 

Amazon

Ist mit Amazon Echo der Pionier am Smart Speaker Markt. Der Markteinstieg erfolgte bereits 2014, also lange vor Apple und Google. In Deutschland ist das Gerät seit 2016 verfügbar.
Den Echo-Lautsprecher gibt es in unterschiedlichsten Versionen, zB. auch eigens für das Auto (Echo Auto) bzw. mit Display (Echo Show). Zudem existieren diverse Erweiterungsmöglichkeiten wie zB. ein separater Subwoofer, der für ordentliche Bässe sorgt.

Eine Besonderheit von Amazon Echo ist die Öffnung für Drittanbieter in Form sogenannter „Skills“, im Prinzip etwas ähnliches wie Apps auf dem Handy.
Zusätzlich zu den integrierten Echo-Funktionen können Drittanbieter auf diese Weise weitere Funktionen programmieren, die sich der Anwender via Amazon-Store aktivieren kann. In den USA gibt es mittlerweile 50.000 zusätzliche Skills, im deutschen Raum immerhin 3.000, die teils kostenpflichtig und teils gegen Bezahlung angeboten werden. Darunter nützliche kleine Werkzeuge wie einen Taschenrechner, Stundenplan für Eltern von Schulkindern, eine Stoppuhr, ein Geburtstags-Kalender oder ausgefalleneres wie das Starten von Hundegebell auf Kommando oder ein Online-Organizer für das Gießen von Pflanzen. Und viel nettes wie lustige kleine Spiele, Fußball-Live-Ergebnisse, Märchengeschichten für Kinder aber auch zahlreiche Shopping Skills bekannter Händler, die einem mit Benefits in Form von Gutscheinen und Aktionen locken. Das Angebot an Skills ist riesig und es kommen laufend neue hinzu.

Preislich liegt Amazon eine Nasenlänge vor Google und mehrere vor Apple. Die Geräte werden zu Kampfpreisen in den Markt gepresst und diese Kampfpreise dann zu speziellen Anlässen immer wieder noch einmal deutlich gesenkt.

Amazon Echo ist schon deutlich länger am Markt als Google Home und so unterstützt es sogar noch deutlich mehr Smart Home Geräte. Zudem bietet Amazon mit Echo Plus hier eine Besonderheit: Der Echo Plus Lautsprecher enthält zusätzlich zu den üblichen Echo-Funktionen noch eine Zigbee Schnittstelle. Dabei handelt es sich um einen Smarthome Kommunikations-Standard, der es Echo Home ermöglicht vorhandene Smart Home Geräte automatisch zu erkennen und auf direkten Weg bedienen zu können. Man erspart sich damit im Idealfall fortan das separate Einstellen jedes Smart Home Gerätes über die produkteigene App, sondern kann das zentral über die Amazon App vornehmen.

Laut Erhebungen des Marktforschers Strategy Analytics war mit Stand Mitte 2018 Amazon weiterhin deutlicher Marktführer am Smart Speaker Markt mit einem Anteil von 41%. Google hält mittlerweile bei bereits 28%, und das ebenfalls wesentlich später gestartete Apple bei 6%. Der Rest entfällt auf diverse weitere, vor allem asiatische Anbieter.
Wer aktuell bei der Anzahl der neu verkauften Geräten die Nase vorne hat ist nicht 100%ig klar, die meisten Statistiken haben weiterhin Amazon vorne, einzelne sehen Google knapp voran. Je Quartal werden insgesamt etwa 15 Millionen Smart Speaker gekauft. 2018 legte die Nachfrage nach Smart Speakern im Vergleich zum Vorjahr um 25% zu.

 

Mögliche Auswirkungen auf den Alarmanlagenmarkt

Amazon, Google und Apple werfen ihr ganzes Gewicht in die Waagschale, um sich ein möglichst großes Stück vom Kuchen zu holen. Der Grund scheint klar: Der Smart Home Speaker ist das direkte Eintrittstor ins Wohnzimmer von Milliarden Usern und ermöglicht die Kontrolle über einen riesigen daran anschließenden Markt. Das Ziel ist es „das vorherrschende Betriebssystem“ für das Zuhause zu werden. Mit diesem Ziel werden Unsummen in die Forschung investiert und die Speaker in schnellen Schritten weiterentwickelt. Mit immensem Marketing- und Vertriebsaufwand werden die Geräte zu attraktiven Preisen in den Markt gepresst. Oft werden die Speaker als günstiges Geschenk gekauft, der Beschenkte kommt so erstmals mit der Technologie in Kontakt und findet Gefallen daran. Ein Markt, den es so vor kurzem noch gar nicht gab, wurde damit innerhalb kürzester Zeit neu geschaffen.

Amazon, Google und Apple integrieren immer mehr Smart Home Funktionalität in ihre Speaker und entwickeln sich zu vollwertigen Smart Home Systemen. Sie haben sich damit eine große Marktmacht im Smart Home Bereich aufgebaut. Der User erwartet sich, dass er Smart Home Komponenten mit seinem Speaker-System steuern kann. Damit lastetet auf den Smart Home Herstellern ein großer Druck ihre Produkte kompatibel zu machen. Die Alternative dazu wäre, auf einen immer größer werdenden Teil der Konsumenten zu verzichten.

Und weil es die Konsumenten in der Regel gerne einfach und übersichtlich haben liegt es nahe, dass diese in Zukunft immer weniger Lust haben werden ihre Smart Home Komponenten mit unterschiedlichen Apps einzurichten und zu warten. Es wird erwartet werden, dass alles über die gewohnte Amazon, Google bzw. Apple-Umgebung nicht nur steuerbar, sondern auch einrichtbar, programmierbar und kombinierbar ist. Die Lichtsteuerung mit der eigenen Lichtsteuerung-App, die Rolläden mit der Rolladen-App und die Alarmanlage mit der Alarmanlagen-Software einzurichten könnte also bald „old school“ und vom Konsumenten nicht mehr akzeptiert sein. Die Hersteller könnten gezwungen sein, sich von den großen Dreien vorgegebenen Standards zu unterwerfen und so für eine gewisse Einheitlichkeit und Kompabilität zu sorgen. Gerade am wenig durchschaubaren Alarmanlagen-Markt mit seinen unterschiedlichsten für Konsumenten schwer durchschaubaren Standards und zahlreichen Nischenlösungen könnte das zu einem Paradigmenwechsel führen. Möglich wäre auch, dass die großen Drei selbst als Hersteller in den Alarmanlagenmarkt gehen bzw. ein etabliertes Unternehmen übernehmen, wie es bereits bei anderen Smart-Home-Produkten passiert ist. So oder so könnte sich das aus Konsumentensicht durchaus positiv in mehr Wettbewerb, einer besseren Vergleichbarkeit, sinkenden Preisen und insgesamt einer stärkeren Stellung des Konsumenten auswirken.