Übersicht und Hintergrundinformationen zu den wichtigsten Alarmanlagenherstellern

Der Alarmanlagenmarkt ist weniger transparent, als man es von anderen Endverbraucher-Märkten gewohnt ist. Für den Otto-Normalverbraucher ist es zu Beginn ein recht schwieriges Unterfangen, überhaupt einmal einen Überblick zu bekommen, welche Anbieter und Produkte zur Auswahl stehen und inwiefern sich diese voneinander unterscheiden. Im Anschluss habe ich zu diesem Zweck eine Übersicht der wichtigsten Player im deutschsprachigen Raum zusammengestellt.

Alle in der Zusammenstellung angeführten Unternehmen bieten Lösungen für Privatpersonen an, die Zusammenstellung konzentriert sich auf Funk-Lösungen, mit Telenot ist aber auch der Platzhirsch bei drahtgebundenen Alarmanlagen mit angeführt. Die meisten der angeführten Produkte können nicht in Eigenregie gekauft und installiert werden, sondern nur indem ein professioneller Errichter, der einen Liefervertrag mit dem Hersteller hat, mit der Errichtung der Anlage beauftragt wird. Wie die Produkte geordert werde können ist bei jedem Produkt separat angeführt.

Die großen Vier

Abus, Daitem, Jablotron und Telenot sind nach meinen Recherchen die 4 dominanten Player am deutschsprachigen Markt, die in der Mehrzahl der Haushalte zur Anwendung kommen. Im Anschluss einige Informationen zu diesen Hersteller und ihren Produkten (Auflistung in alphabetischer Reihenfolge):


ABUS

Das deutsche Traditionsunternehmen Abus startete 1924 ursprünglich als Hersteller von klassischen Vorhangeschlössern. In diesem Bereich ist man noch immer Weltmarktführer, zusätzlich konnte man sich aber auch als Hersteller von mechanischen Sicherungen wie Panzerriegelschlösser, Stangenschlösser und Fensterschlösser einen guten Ruf aufbauen und stellt zahlreiche Testsieger bei Stiftung-Warentest-Vergleichen. Beginnend mit dem Jahr 2001 wurden – mit der Übernahme der 1999 gegründeten deutschen Firma Security-Center – auch Alarmanlagen ins Sortiment aufgenommen. Abus nimmt hier im Vergleich zu vielen anderen Herstellern insofern eine Sonderstellung ein, als dass sich die Produkte sowohl an Kunden mit höheren Ansprüchen, als auch an jene mit geringeren Ansprüchen richten und die Produkte auch unabhängig vom Errichter von jedermann erworben werden können. Abus lässt die Alarmanlage in China produzieren. Das Abus Sortiment besteht zum aktuellen Zeitpunkt aus den folgenden Modellen, die unterschiedliche Zielgruppen bedienen:

Abus Secvest

Die Secvest ist das Flagschiff aus dem Hause Abus und verfügt als einzige Abus-Anlage über eine VDS-Zertifzierung. Die Secvest wird sowohl von professionellen Alarmanlagenunternehmen verbaut, kann aber auch wie alle anderen Abus Modelle als Privatperson gekauft werden. Seit 2017 ist sie als Secvest Touch erhältlich, mit schönerem Design und Touch-Display sowie ein paar zusätzlichen App-Funktionen. Sie ersetzte damit die vorherige Serie vorherigen Serie Secvest 2way (2008 gestartet). Die Secvest gibt es insgesamt bereits seit dem Jahr 2005, das erste Modell hieß Secvest 868.


Abus Privest

Ist das Urgestein unter den Abus Alarmanlagen. Mit der Privest richtet sich Abus laut eigenen Angaben direkt an Do-it-yourselfer und Heimwerker. Ist preislich deutlich unterhalb der Secvest angesiedelt. Die Privest wird stark über Elektronik- und Baumarktgeschäfte vertrieben.  Sie hat keine VDS-Zertifizierung.


Abus Smartvest

Seit 2016 erhältlich, ist eine abgespeckte und preislich günstigere Version der Secvest. Liegt preislich zwischen Secvest und Privest. Verfügt über keine VDS-Zertifizierung.


Abus Ultivest

Wurde 2014 als neues Alarmanlagen-Flaggschiff von Abus präsentiert und sollte nur über ausgewählte Errichter mit besonders hohen Qualitätsansprüchen vertrieben werden. Preislich noch einmal ein Stück über der Secvest angesetzt. Das Produkt wurde zum aktuellen Stand, gerade einmal 4 Jahre später, wie es scheint wieder aus dem Programm genommen. Auf der Abus Homepage gibt es keinen Hinweis mehr darauf. Lt. Berichten in Foren gibt es auch keinen Support mehr dafür.


Abus Terxon

Abus verfügt neben den Funktalarmanlagen mit der Terxon auch über eine kabelgebundene Alarmanlage. Die Terxon gibt es in 3 verschiedenen Modellen: Die Terxon SX als Einsteigermodell und reine Draht-Alarmanlage, die Terxon MX als Hybridmodell das neben den verdrahteten Komponenten auch mit den Funk-Komponenten der Secvest-Reihe kommunizieren kann und die Terxon LX als große Lösung für gewerbliche Anforderungen (ebenfalls ein Hybridmodell).

Kommentar zu den Abus-Modellen: Die Abus Secvest bietet mit der VDS-Zertifzierung jenes Level, das ich hier auf alarmanlage-selbst-bauen.de als Minimum-Anforderung empfehle. Das entspricht dem Level der unter dem Menüpunkt „Kauf“ empfohlenen Visonic Lösung. Warum die technisch schlechtere Lösung Privest nach Werbelinie des Herstellers das Angebot für den Selbstbauer darstellt, erschließt sich mir nicht. Scheinbar geht man von der irrigen Annahme aus, dass Do-it-yourselfer geringere Qualitätsansprüche haben.
Die Secvest wird von vielen professionellen Errichtern angeboten und auf diese Weise oftmals bei bei privater Kundschaft installiert, sie kann aber auch in Eigenregie über das Internet gekauft und selbständig installiert werden. Allerdings macht das bei den hohen Komponentenpreisen von Minimum ca. 90 Euro für einen Öffnungsmelder bzw. ebenfalls 90 Euro für eine Fernbedienung aus meiner Sicht wenig Sinn. Da bei einem Einfamilienhaus sehr viele dieser Komponenten benötigt werden, kommt man trotz Selbstmontage hier schnell auf Kosten von 3000 bis 4000 Euro, einem Preis der nicht wesentlich unter dem professioneller Errichter liegt. Eine Selbstmontage macht auf diese Weise also nicht wirklich Sinn.



DAITEM

Die zur französischen Atral-Gruppe gehörende Marke Daitem ist so etwas wie der Pionier am Funkalarmanlagen-Markt. Lt. eigenen Angaben entwickelte man 1984 das weltweit erste absolut drahtlose Funk-Alarmsystem und eröffnete 1991 die erste Niederlassung in Deutschland. Hier ist man lt. eigenen Angaben heute Marktführer, weltweit hat man bisher über 1 Million Alarmsysteme verkauft. Daitem-Alarmanlagen können nur über Errichterbetriebe erworben werden, folgende Modelle gibt es:

Daitem D18

Das günstigere der beiden Modelle für den Privatanwender. Kann „nur“ bis zu 20 Melder verwalten. Das reicht im Regelfall für ein Einfamilienhaus (knapp) aus, außer man hat ein 3stöckiges Haus oder eine große Villa mit dementsprechend vielen Fenstern abzusichern, dann könnte es knapp werden. Oder auch wenn man Extras wie Rauchmelder über die Alarmanlage betreiben möchte, dann kommt schnell eine große Zahl an Meldern zusammen. Fernbedienungen und andere Bedienteile zählen extra, davon kann man 10 betrieben. Für die D18 gibt es ein paar Zusatzmodule weniger als für die D22, zudem ist sie nicht VDS zertifziert. Was allerdings nicht heißt, dass sie weniger sicher oder schlechter als die D22 ist! Denn beide erfüllen die Europäische Norm 50131 Grad 2, die der VDS Zertifizierung entspricht. Die D22 wurde zusätzlich noch VDS zertifiziert, die D18 nicht. Das ist vermutlich auch einer Kosten-Nutzung-Abwägung geschuldet bzw. ein Resultat der wachsenden Akzeptanz des EN 50131 als gleichwertige VDS-Alternative. Das D18 ist der direkte Nachfolger des Modells D16.

Daitem D22

Das zweite, teurere Modell für den Privatanwender. Statt 20 können hier bis zu 80 Melder verwaltet werden. Und Zusatzmodule wie Gassensoren, Wassersensoren, Frostensensoren und sogar Kühlschrankausfallsensoren können integriert werden. Außerdem gibt es mit dem Hands-Free Tag ein zusätzliches Eingabegerät. Damit braucht man mit dem Tag nicht mehr zur Alarmzentrale hin gehen um diese zu deaktivieren, sondern die Alarmzentrale bemerkt selbständig, wenn jemand mit einem Hands-Free Tag das Haus betritt. Die D22 ist VDS zertifziert.

Daitem D24

Nichts für den Privatanwender, sondern für große gewerbliche Objekte, hier können bis zu 255 Melder verwaltet werden. Es handelt sich um keine Funk- sondern um eine Hybridanlage, also eine Anlage in der sowohl drahtgebundene Komponenten als auch Funkkomponenten integriert werden können.

Kommentar zu den Daitem-Modellen: Daitem hat einen sehr guten Ruf. Wenn man bereit ist, das nötige Kleingeld zu investieren, kann man hier nichts falsch machen. Auf der Webseite werden zu jedem Modell auch Preisbeispiele genannt. Das ist prinzipiell sehr lobenswert, allerdings haben die dargestellten Beispiele meines Erachtens wenig mit der Realität zu tun: Die angeführten Preise von 3000 bis 4000 Euro wirken auf den ersten Blick nicht so wahnsinnig hoch, allerdings sind in dem Preisbeispiel gerade einmal 2(!) Öffnungsmelder enthalten und 1 Fernbedienung. Das reicht vielleicht für eine kleine Single-Wohnung, aber nicht für das typische Einfamilienhaus. Hier dürfte es dann, wenn nicht 2 sondern 15 Öffnungsmelder und eine Fernbedienung für jedes Familienmitglied benötigt wird sehr schnell Richtung 6000 Euro und mehr gehen. Es wäre seriöser, ein realistisches Preisbeispiel mit einem realitätsnahen Umfang anzugeben. So wirkt das wie ein Lockangebot.



JABLOTRON

Der Namen der 1991 in Tschechien gegründeten Firma leitet sich vom Firmenstandort Jablonec nad Nisou ab, an dem auch gefertigt wird. Jablotron ist kein reines Alarmanlagenunternehmen, sondern eine Gruppe unter der mehr als 20 unabhängige Technologieunternehmen mit zusammen ca. 100 Millionen Euro Jahresumsatz und 600 Mitarbeitern firmieren. Jablotron liegt preismäßig ein gutes Stück unter Daitem und Telenot und hat lt. diversen Internetquelle einen Ruf als innovatives Unternehmen, das technologisch und servicemäßig jedoch noch nicht 100%ig in der Champions-League angekommen ist. Aufgrund des vergleichsweise attraktiven Preises und der Tatsache, dass die Anlage auch an Privatanwender verkauft wird, hat die Jablotron in Deutschland unter den Selbstinstallierern eine große Verbreitung und wird im Internet sehr breit diskutiert. Allerdings ist das Unternehmen gerade dabei diesen Weg zu verlassen und auf ausschließlichen Vertrieb über Professionisten umzusatteln.

Mehr dazu in der folgenden Beschreibung der Jablotron Modelle:

Jablotron 80 Oasis

Zigtausendfach verkauft und jahrelang das Produkt für diejenigen, die ein bisschen weniger ausgeben und trotzdem ein gutes Produkt (in Selbstmontage) haben wollten. Lief mit Ende 2017 aus und wird auf der Jablotron Homepage auch nicht mehr angeführt. In Internet-Shops jedoch weiterhin – zu nun sehr attraktiven Auslaufpreisen – zu beziehen, das dürfte noch eine ganze Weile so bleiben, bis alle Restbestände aufgebraucht sind. Die Jablotron 80 entspricht der EN 50131 Grad 2.

Jablotron 100

Ging im Jahr 2012 an den Start und ist preis- und leistungsmäßig über der Jablotron 80 positioniert. Wie die Jablotron 80 entspricht sie der EN 50131 Grad 2. Mit dem Modell Jablotron 100 fügte das Unternehmen seiner Strategie einen zweiten Pfeiler hinzu: Neben dem preissensitiven Do-it-yourself-Segment wird mit der Jablotron 100, die im Unterschied zur Jablotron 80 ausschließlich über Professionisten bezogen werden kann, gezielt das Hochpreissegment und Gewerbekunden angesprochen.  Die primären Unterschiede zur Jablotron 80 sind eine höhere Anzahl an Meldern, Eingabegeräten und Sektoren, die verwaltet werden können, sowie das ein GSM-Modul und LAN-Netzwerk-Anschluss bereits in der Zentrale integriert sind.

Jablotron 100KR

Für die Ende 2017 ausgelaufene Jablotron 80 Oasis ist kein Nachfolgemodell geplant, deren Funktion übernimmt in Zukunft die Jablotron 100KR, eine Unterlinie der Jablotron 100.  Im Vergleich zur Jablotron 100 ist sie etwas kleiner dimensioniert. Mit bis zu 32 Funkkomponenten dürfte sie für den üblichen Privatanwender aber vollkommen ausreichen und ist ein Stück günstiger als die Jablotron 100. Das gilt auch dann noch, wenn das standardmäßig fehlende GSM-Modul nachgerüstet wird, denn standardmäßig ist nur ein LAN-Modul integriert. Wie die Jablotron 100 kann man auch die 100KR nur über professionelle Errichter beziehen.

Kommentar zu den Jablotron-Modellen: Mit dem ersatzlosen Aus für die Jablotron 80 hat sich das Unternehmen aus dem Do-it-yourself-Markt verabschiedet und vertreibt nur mehr über professionelle Errichter. Das ist schade, da damit eine bisher sehr interessante Alternative wegfällt.  Der Preisvorteil einer Do-it-yourself-Realisierung ist damit in Zukunft mit Jablotron nicht mehr realisierbar.



TELENOT

Wenn Daitem der Mercedes unter den Funkanlagen ist, dann ist es Telenot für die drahtgebundenen Alarmanlagen. Telenot wurde 1968 im deutschen Aalen gegründet und entwickelt und produziert seine Alarmanlagen in Deutschland. Kunden sind einerseits Privatpersonen, andererseits viele große Unternehmen wie Rewe, Aldi, Edeka oder Hornbach. Das inhabergeführte Unternehmen produziert seit 50 Jahren Alarmanlagen und ist in Deutschland Marktführer bei drahtgebundenen Anlagen. Die Niederlassungen in Österreich und der Schweiz gibt es seit 40 Jahren. Telenot Alarmanlagen sind nur über Professionisten beziehbar.

Telenot hat 2 Funkalarmanlagen im Angebot:

Telenot complex 200H

Wie auch die complex 400H eigentlich eine drahtgebundene Anlage, die man mit einem zusätzlichen Telenot Funk-Gateway zu einer Hybridanlage (also einer Anlage, an die man sowohl drahtgebundene als auch Funk-Komponenten anbinden kann) erweitern kann. Am Funk-Gateway können 100 Funkkomponenten und 8 Eingabegeräte verwaltet werden. Die complex 200H ist VDS-Klasse A zertifziert.

Telenot complex 400H

Im Unterschied zur complex 200H, die nur einen Sicherheitsbereich zulässt, können hier bis zu 8 Sicherheitsbereiche verwaltet werden, statt 4 Signalgeräte sind bis zu 16 möglich. Die Anzahl der möglichen Funkkomponenten ist zusätzlichem Telenot Funk-Gateway mit bis zu 100 gleich wie bei der complex 200H. Der wesentliche Unterschied zur 200H ist die Zertifizierung mit VDS-Klasse C, die eine Eignung für Anwendungen im gewerblichen Bereich mit hohem Risiko bescheinigt.

Tipp: Eine Privatperson, die sich selbst für eine Telenot-Alarmanlage entschieden hat, hat ihre Erfahrungen damit in einem Webblog festgehalten. Darunter der Grund für die Entscheidung, welche Komponenten in der Anlage verbaut wurden und was die Lösung gekostet hat. Da kann man viele interessante Informationen daraus ziehen. Der Blog endete jedoch nicht mit der Fertigstellung der Anlage, sondern der Blogbetreiber hat einige zusätzliche Beiträge zu Telenot-Themen zusammengetragen. Unter anderem zeigt er in einer Firmenbesichtigung wo und wie die Telenot Alarmanlagen produziert werden bzw. ist eine Telenot Preisliste abrufbar.

Linktipp: Webblog einer Privatperson zur Telenot Alarmanlage

Kommentar zu den Telenot-Modellen: Telenot hat einen tadellosen Ruf, man liest auch immer wieder von einem sehr guten Kundendienst. Liegt preislich auf dem Niveau von Daitem oder vielleicht sogar noch einen Tick darüber, also nichts für kleine Geldbeutel. Sinn macht diese Investition eher nur dann, wenn man eine drahtgebundene Anlage realisieren möchte, oder zumindest ein erheblicher Teil der Anlage drahtgebunden ist.  Für reine Funkalarmanlagen weisen lt. Meinungen in diversen Blogs und Foren andere Hersteller ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis auf. Auf der Telenot Homepage findet man keine Preisbeispiele, im oben angeführten Blog werden aber in einer offiziellen  Telenot Broschüre welche angeführt. Hier gilt die gleiche Kritik wie zuvor bei Daitem: Die angeführten Beispiele wirken auf den ersten Blick mit 3000 bis 4500 Euro gar nicht so teuer, allerdings wieder für eine völlig unterdimensionierte Anlage ausschließlich mit 3 Bewegungsmeldern, ohne einen einzigen Öffnungsmelder.


Die Verfolger

Neben den zuvor vorgestellten großen Vier, gibt es am deutschen Markt eine Handvoll weiterer wesentlicher Player, die eine Alternative darstellen können:



VISONIC

Das in Israel beheimatete Alarmanlagen-Unternehmen ist weltweit in über 100 Ländern tätig. Entwickelt und produziert werden die Anlagen seit über 40 Jahren in Tel-Aviv. Visonic ist seit 2011 Teil des Schweizer Tyco Konzerns, zu dem auch das in den USA bei Alarmanlagen und Hausüberwachung dominierende Unternehmen ADT gehört. Die Visonic Alarmanlagen werden im deutschsprachigen Raum exklusiv von professionellen Errichtern angeboten. Selten findet man einzelne Komponenten auch in Online-Shops angeboten. Jedoch nie das gesamte Sortiment, so dass man sich selbständig keine komplette Alarmanlage zusammenstellen kann. Anders ist das in den Visonic Märkten USA und vor allem Großbritannien, wo Visonic eine andere Absatzstrategie verfolgt und die gleichen Anlagen auch über ausgewählte Internet-Händler vertreibt. Und das zu vergleichsweise sehr günstigen Preisen, siehe auch die auf auf dieser Seite unter dem Menüpunkt „Kauf“ vorgestellte Bezugsmöglichkeit.

Visonic bietet die folgenden zwei Modelle in mehreren Unterausführungen an:

Visonic Powermax

Ist das ältere, über viele Jahre bewährte System von Visonic, das es in den Ausführungen Powermax Express, Powermax Complete und Powermax Pro gibt. Die Express ist das etwas abgespeckte Einsteigermodell (unter anderem kein Chipkarten-Leser, keine Möglichkeit eine kabelgebundene Sirene anzuschließen), die Complete und Pro sind praktisch identisch, bis auf einen bereits vorgesehenen kabelgebundenen Sirenenanschluss in der Pro (bei der Express ist hierzu eine zusätzliche Komponente notwendig). Außerdem verfügt die Pro über eine zusätzliche X-10-Programmierschnittstelle für bis zu 15 Anschlussgeräte. Bei allen 3 Ausführungen können 28 Funkzonen und 8 Fernbedienungen verwaltet werden. Alle Powermax-Ausführungen erfüllen die EN 50131, Grad 2.


Visonic Powermaster

Die Powermaster gibt es seit 2012. Im Vergleich zum Powermax-System bietet sie vor allem zwei Vorteile: Sie unterstützt Frequenz-Hopping. Wird eine Frequenz zB. durch einen Störsender blockiert schaltet die Alarmzentrale automatisch auf eine andere der insgesamt 4 möglichen Frequenzen um. Und sie kann bei den teureren Ausführungen noch wesentlich mehr Funkzonen, Fernbedienungen, Sirenen etc. verwalten. Zudem soll der Funk noch größere Distanzen überwinden können. Die Powermaster nutzt das neue PowerG-Funksystem und ist nicht mit den Komponenten der Powermax kompatibel. Die Powermaster gibt es in den Ausführungen Powermaster 10, Powermaster 30 and Powermaster 33. Die Powermaster 10 ist von den verwaltbaren Komponenten vergleichbar mit der Powermax, bei der Powermaster 30 und 33 sind wesentlich mehr Komponenten verwaltbar. Die Powermaster-Zentrale und alle Komponenten sind länderspezifisch gecodet, können also nicht mit Komponenten die für ein anderes Land gecodet wurden genutzt werden. Wie die Powermax erfüllt auch die Powermaster die EN 50131 Klasse A.

Kommentar zu den Visonic-Modellen: Die Visonic-Alarmanlagen sind sehr gute Alarmanlagen, die ich hier auf der Webseite in der empfohlenen Bezugsvariante auch als Preis-Leistungs-Sieger zum Kauf empfehle. Das über Jahre bewährte Powermax-Modell reicht meines Erachtens für normale Anforderungen weiterhin gut aus, die Powermaster bietet im Vergleich dazu vor allem den zusätzlichen Vorteil des Frequenz-Hoppings. Aus Konsumentensicht sehr negativ finde ich das länderspezifische Coden der Powermaster-Komponenten, das Verbrauchern die Möglichkeit nimmt, die Komponenten am jeweils günstigsten Bezugsort zu kaufen. Das ist ein künstliches Abschirmen einzelner Märkte und entspricht nicht dem Grundgedanken des gemeinsamen EU-Marktes. Eine mögliche Gegenstrategie ist es, gleich das gesamte System am günstigsten Markt zu kaufen, siehe Kaufempfehlung.



LUPUS ELECTRONICS

Die Alarmanlagen der in Deutschland beheimateten Lupus Electronics werden beim beim chinesischen Auftragsfertiger Climax produziert. Die Lupus Alarmanlagen waren ursprünglich gefühlsmäßig im Bereich gehobene Baumarktalarmanlagen positioniert. Im Internet findet man ganz unterschiedliche Meinungen dazu, auf einigen Testseiten werden die Lupus Alarmanlagen sehr gut bewertet, auf anderen ziemlich verrissen. Mit dem neuen Modell XT3 wird erstmals ein Schritt in Richtung hochqualitativer Bereich unternommen.

Die Lupus Alarmanlagen-Modelle:

Lupusec XT1

Die XT1 ist das kleinste Lupus Modell und kann bis zu 20 Sensoren und 1 Zone verwalten. Keine VDS-Zertifizierung bzw. Erfüllen der EN 50131. Vertrieb über Internet-Shops.


Lupusec XT2

Im Vergleich zur XT1 wesentlich größer ausgelegt, mit bis zu 160 verwaltbaren Sensoren in 2 Zonen. Unterstützt werden zudem zahlreiche Zusatzgeräte zur Haus-Automatisierung, also zB. die automatische Steuerung von Rolläden, Lampen, Heizung, etc. Im Unterschied zur XT2 ist auch ein GSM-Modul mit enthalten. Keine VDS-Zertifizierung bzw. Erfüllen der EN 50131. Vertrieb über Internet-Shops.


Lupusec XT3

Mit diesem neusten Modell hat man punkto Sicherheit einen Sprung nach vorne gemacht und erfüllt erstmals die EN 50131. Die übrigen Leistungsdaten sind sehr ähnlich der XT2, ein zusätzlicher Ausgang ermöglicht den Anschluss von drahtgebundenen Meldern an die Zentrale. Die Alarmzentrale ist abwärts kompatibel, das heißt alle Melder der XT2 können auch mit der XT3 verwendet werden.

Kommentar zu den Lupus-Modellen: Sehr positiv hervorzustreichen ist die Abwärts-Kompatibilität des neuen Flaggschiffs XT3, das kennt man von anderen Herstellern zumeist anders, was für Bestandskunden eine bittere Erfahrung sein kann.  Für mich völlig unverständlich ist es, warum mit der neuen hochqualitativen XT3 der Do-it-yourself Weg verlassen wird und diese Anlage Selbstinstallateuren vorenthalten wird. Gerade hier fehlt es Interessierten an interessanten hochqualitativen Alternativen.



SATEL

Ist ein 1990 gegründetes polnisches Unternehmen. Satel hat eine starke Stellung am polnischen Alarmanlagenmarkt, wird mittlerweile aber auch in einigen Auslandsmärkten vertrieben. Alle Satel-Alarmanlagen sind Hybridanlagen, können also sowohl mit Funkkomponenten als auch mit kabelgebundenen Komponenten kommunzieren. Die Satel Alarmanlagen werden sowohl über professionelle Errichter als auch via Direktverkauf an interessierte Kunden vetrieben, eine Do-it-yourself-Realisierung ist also möglich. Die Komponenten können bei Bestellung über polnische Shops deutlich günstiger bezogen werden, allerdings ist zu beachten, dass die Alarmzentralen mit einem Language-Lock versehen sind, die polnische Zentrale spricht also nur polnisch. Die Komponenten können aber sprachunabhängig betrieben werden, es funktioniert also zB. die Kombination deutsche Zentrale mit polnischen Meldern.

Die Anlagen können mittels eines sehr detailreichen Bausteinsystems genau nach den eigenen Bedürfnissen zusammengestellt werden, das gibt dem Kunden sehr viele Möglichkeiten. Diese Vielfalt bedingt allerdings auch die Notwendigkeit sich intensiv mit dem System zu beschäftigen und könnte daher den einen oder anderen Do-it-yourselfer überfordern. Dazu gibt es einen sehr interessanten Erfahrungsbericht eines Users mit der Selbstrealisierung einer Satel Indexa Anlage im Alarmforum.

Im Anschluss eine Übersicht über die Satel Modelle:

Satel Integra

Ist das höchstwertigste Satel System, bis zu 256 Zonen und 4 unterschiedliche Bereiche können verwaltet werden, je nach gewählter Ausführung (Integra 24, Integra 2, Integra 64/128, Integra 64/128/256). Ein Modem ist fix in der Zenrale mit eingebaut, es kann aus einer Vielzahl an möglichen Erweiterungsmodulen gewählt werden. Die Anlage erfüllt die EN 50131, Grad 2.

Satel Versa, Micra und Perfecta

Die 3 weiteren Satel Modellinien sind punkto Leistung und Funktionsumfang unterhalb der Integra angesiedelt, wobei  die Versa ebenfalls die EN 50131, Grad 2 erfüllt.

Kommentar zu den Satel-Modellen: Die Satel Integra ist aus meiner Sicht in interessante Modell für Do-it-yourselfer, auch wenn mir das System weniger selbsterklärend als bei anderen Herstellern scheint. Hier ist also ausreichend Recherchezeit mit einzukalkulieren. Dass der Anbieter sein Top-Modell auch über das Internet vertreibt, sticht im Vergleich zu anderen Herstellern positiv hervor. Vor allem interessant ist die Möglichkeit die selben Komponenten über Polen wesentlich günstiger zu beziehen. Aber auch hier kommt es aus meiner Sicht zu einem kleinen Foul: Durch Maßnahmen wie eine künstliche Sprachbeschränkung (Language-Lock) in der Alarmzentrale und die Beschränkung der Preisanzeige in polnischen Webshops auf polnische Besucher, versucht man diese Möglichkeit zu unterbinden. Wie schon zuvor geschrieben aus meiner Sicht ein klarer Verstoß gegen die Prinzipien eines gemeinsamen EU-Marktes und zum Nachteil der Konsumenten.  Die eingeschränkte Preisanzeige durch  Geoblocking, ist lt. EU-Beschluss vom Februar 2018 mit Beginn Dezember 2018 verboten, EU-Online-Kunden müssen dann genauso behandelt werden wie einheimische Kunden.



HONEYWELL

Der in verschiedensten Produktbereichen tätige internationale Honeywell Konzern ist weltweit einer der größten Anbieter von Alarmanlagen. Das Angebot ist von Zielmarkt zu Zielmarkt unterschiedlich. Es werden sowohl sehr günstige typische Baumarkt-Alarmanlagen als auch höherwertige Anlagen verkauft. In Deutschland werden die hochwertigen Honeywell-Anlagen unter der zum Konzern gehörenden Marke Esser vertrieben. Diese war in früheren Jahre ein hochqualitativer deutscher Alarmanlagen-Produzent und landete nach mehreren Übernahmen schließlich 2005 bei Honeywell. Die Esser-Linie wird im Unterschied zu anderen Honeywell-Anlagen nur über Errichter vertrieben. Produziert werden sie mittlerweile nicht mehr in Deutschland sondern wie andere Honeywell Alarmanlagen in Fernost.

Das Produktangebot von Honeywell ist – aufgrund der vielen Untermarken für die unterschiedlichen nationalen Zielmärkte – für meinen Begriff recht unüberschaubar, weshalb hier keine weitere Auflistung erfolgt.



VANDERBILT

Das US-amerikanische Sicherheitsunternehmen übernahm 2014 die Security Products Sparte von Siemens und expandierte damit in den europäischen Raum. Die etablierten Siemens Produktreihen wurden weitergeführt: Das sind die altbewährte Sintony Reihe und die erst vor wenigen Jahren eingeführte SPC Reihe. Beide sind VDS zertifiziert bzw. erfüllen die EN 50131 Grad 2. Die Anlagen werden nur über professionelle Errichter vertrieben.


Zukünftige Herausforderer aus dem Internetbereich

GOOGLE UND AMAZON

Für eine Revolution am Alarmanlagenmarkt könnte die Expansion der Internetgiganten Google und Amazon in den Bereich der Home Automation (Heim Automatisierung) sorgen.

Google übernahm bereits 2014 den Smart-Home-Geräte Hersteller Nest (vernetzte Thermostate, vernetzte Rauchmelder, vernetzte Türklingel), in den dann später noch die Firma Dropcam, ein Hersteller von Überwachungskameras integriert wurde. Seit 2017 sind die Nest-Produkte auch in Deutschland und weiteren europäischen Ländern erhältlich. Die Steuerung von Nest kann mit dem intelligenten Google Home Lautsprecher erfolgen.

Das Gegenstück zum intelligenten Google Lautsprecher bei Amazon ist der Lautsprecher Amazon Echo. Amazon verfolgt  punkto Heim Automatisierung eine sehr ähnliche Strategie wie Google und hat erst vor wenigen Tagen die Übernahme von Ring, einem Hersteller von smarten Türklingeln und Kameras, verkündet.

Bereits jetzt enthält das Heim Automatisierungs Sortiment von Google und Amazon einzelne zur Hausüberwachung nutzbare Produkte wie Sicherheitskameras. Es scheint nur eine Frage der Zeit bis Google und Amazon auf ihrem Weg zum Komplettanbieter von Heim Automatisierung weitere Sicherheitsprodukte und irgendwann auch vollwertige Alarmanlagen mit ins Sortiment nehmen. Das könnte den bisherigen Markt gehörig durcheinander wirbeln und die Karten komplett neu mischen.